
Der beste Sport für Ihre Gesundheit
Radfahren,
Joggen, Schwimmen und Nordic Walking im Vergleich
Der Mensch soll und muss sich bewegen. Das hält ihn gesund. Doch von
welcher Bewegungsart profitiert unsere Gesundheit am meisten? Wir haben vier
beliebte Freizeitsportarten miteinander verglichen, mit einem erfreulichen
Ergebnis…
Der Mensch ist ein Bewegungstier, sein Körper für ein Leben in
Bewegung gemacht. Kein Wunder, denn schließlich war es für unsere Vorfahren
einst lebenswichtig, gut zu Fuß zu sein. Nur so konnten sie erfolgreich jagen
oder bei Gefahr vor Feinden flüchten. „Wie kaum ein anderes Säugetier ist der
Mensch in der Lage, stundenlang zu gehen. Wir sind quasi zum Laufen geboren“,
sagt Dr. Joachim Latsch, Sportmediziner am Institut für Kreislaufforschung und
Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule in Köln.
Doch dieses evolutionäre
Erbe pflegen wir heutzutage immer weniger. Nahrung holen wir uns im Supermarkt,
Geld verdienen wir zumeist im Sitzen, schwere körperliche Arbeit ist die
Ausnahme geworden. Ein Angestellter im Innendienst legt pro Tag gerade mal
zwischen 500 und 800 Meter zurück. Wer da in seiner Freizeit nicht für
sportlichen Ausgleich sorgt, hat langfristig ein gesundheitliches Problem.
„Unser Organismus braucht die Bewegung noch immer, braucht den Energieverbrauch.
Sonst setzt er wie damals Fettpolster für schlechte Zeiten an, baut
schneller ab und wird anfälliger für Krankheiten“, erklärt Nordic walker-Experte
Latsch.
Die Folgen mangelnder Bewegung kennt unsere Gesellschaft längst: Fast
jeder zweite Erwachsene ist übergewichtig. 30 Millionen Deutsche leiden an
Rückenschmerzen, mehr als 20 Millionen an Gelenkbeschwerden. Neben falscher
Ernährung ist Bewegungsmangel auch eine häufige Ursache für
Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder
Diabetes. „Regelmäßiger Sport hilft, solchen Erkrankungen vorzubeugen oder ihr
Entstehen zu verzögern“, so Latsch.
Am besten
Ausdauersport
Bewegung ist also wichtig für den Erhalt unserer
Gesundheit. Aber welche Sportart erhält sie am meisten? „Für einen
gesundheitsorientierten Sport eignet sich am besten ein moderates
Ausdauertraining, ergänzt durch ein leichtes Krafttraining“, empfiehlt der
Experte. „Der Ausdauersport wirkt sich besonders günstig auf das
Herz-Kreislauf-System, die Atmung und die Lunge aus.“ Das Training im aeroben,
sauerstoffreichen Bereich bringt zudem die Fettverbrennung auf Hochtouren.
Überschüssige Pfunde schmelzen schneller dahin als etwa bei reinem
Krafttraining.
Im Freizeitbereich ist Ausdauersport daher besonders beliebt,
allen voran die drei „klassischen“ Ausdauersportarten Radfahren, Joggen und
Schwimmen. Nordic Walking als vergleichsweise junge Disziplin rangiert immerhin
schon auf Platz vier der Beliebtheitsskala, wie eine Umfrage des Magazins
„Stern“ ergab. „Diese Ausdauersportarten eignen sich grundsätzlich alle, um die
körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten und Gesundheitsproblemen
vorzubeugen“, sagt Latsch. „Es sind schonende Sportarten, deren Belastungsniveau
eher im niedrigen Bereich liegt und sich gut den individuellen Bedürfnissen
anpassen lässt.“ Auch in ihrer positiven Grundwirkung auf den Organismus ähneln
sich die vier Disziplinen. Dennoch besitzt jede dieser Sportarten ihr
spezifisches Trainingsprofil. In unterschiedlichem Maße verbessern sie etwa
Kondition, Muskelkraft, Beweglichkeit und Koordination. Auch in der Belastung
des Stütz- und Bewegungsapparates unterscheiden sich Radfahren, Joggen,
Schwimmen und Nordic Walking zum Teil entscheidend voneinander. Welche Vor- und
Nachteile sich daraus ergeben, soll ein Vergleich der vier Ausdauersportarten
zeigen:
Zwei Pedalen für mehr Fitness
Radfahren ist der
beliebteste Sport der Deutschen. Denn ein Fahrrad bietet auch im Alltag eine
wunderbare Möglichkeit, den Körper in Schwung zu bringen. „Schon die
morgendliche Fahrt zum Bäcker kurbelt den Stoffwechsel an“, sagt der
Sportmediziner. Wer seine Ausdauer stärken möchte, muss allerdings länger in die
Pedale treten: “Drei Mal die Woche mindesten eine Stunde bei niedrig -
intensiver Belastung oder zwei Mal die Woche zwei Stunden sollten es schon
sein““, so Latsch.
Wer sich regelmäßig aufs Rad schwingt, steigert seine
Fitness, kräftigt Herz und Kreislauf und radelt dem Stress davon. Ein Vorteil
des Radfahrens ist, dass es die Gelenke kaum belastet. „ Ein Großteil des
Körpergewichts werden von Sattel, Lenker und Pedalen getragen. „Für
Übergewichtige ist Radfahren daher besonders schonend“ sagt Latsch. Die
gleichförmigen Bewegungen stärken zudem den Gelenkknorpel.
Stimmt die
Sitzposition, hat auch der Rücken wenig zu fürchten. „Seine Muskeln werden in
geringem Maße sogar mittrainiert“, so der Experte. „Es sollte aber in bequemer
Position gefahren werden, mit gut gefedertem Sattel. Die gebeugte Sitzposition
auf einem Rennrad kann zu Rückenproblemen führen. „Das ständige Anheben des
gebeugten Kopfes verspannt darüber hinaus die Nackenmuskulatur, gerade bei
langen Touren. Gemieden werden sollten auch Schotterpisten und lange Steigungen,
da sie die Wirbelsäule ruckartig überbelasten.
Am stärksten beansprucht das
flotte Strampeln die Beinmuskulatur. Sie wird ordentliche trainiert, der
Oberkörper dafür hingegen kaum gekräftigt. „Wer nur Rad fährt, gerät schnell in
eine Disbalance. Der Oberkörper braucht daher ein zusätzliches Training, etwa
durch kräftigende Gymnastik“, empfiehlt der Sportmediziner. Und wo weniger
Muskelgruppen zum Einsatz kommen, ist auch der Energieverbrauch geringer: Bei
moderatem Tempo sind es beim Radfahren nur etwa 300 Kalorien pro
Stunde.
Im Laufschritt in Form
Laufen ist ein hervorragendes
Konditionstraining, das schon bei mittlerem Zeitaufwand effektive Wirkung zeigt.
Regelmäßiges Joggen stärkt das Herz-Kreislauf-System, verbessert Zucker- und
Fettstoffwechsel und vergrößert das Atemvolumen. Freigesetzte Glückshormone
heben die Laune, Stress wird abgebaut. „Ein gesunder Läufer braucht keine
Gesundheitsschäden zu befürchten. Vorausgesetzt, Technik und Schuhwerk stimmen“,
sagt Latsch.
Wer falschen Schuhs oder Trittes unterwegs ist, riskiert
allerdings Gelenkbeschwerden. Denn bei jedem Laufschritt müssen Sprung-, Knie-
und Hüftgelenke ein Mehrfaches des Körpergewichts abfedern. „Bei Übergewicht
oder Gelenkverschleiß eignet sich Joggen daher wenig“, meint der Experte. Auch
die Wirbelsäule leidet bei falscher Technik. Auf harten Böden oder bei starkem
Gefälle können hohe Stauchbelastungen entstehen.
Das Lauftraining beansprucht
in erster Linie die Beinmuskulatur. „Der gesamte untere Muskelstrang wird
gekräftigt, die Beckenbeuger, in geringem Maße die Bauch- und Rückenmuskulatur“,
erklärt Latsch. Schwingen die Arme aktiv mit, profitieren auch die oberen
Extremitäten. „Etwa 70 Prozent der Skelettmuskulatur werden bewegt, schon
deutliche mehr als beim Radfahren“, so der Sportmediziner. Jedoch: Ein
effektives Oberkörpertraining findet nicht statt.
Schwereloses
Wassertraining
Sanfter als Radfahren oder Laufen trainiert Schwimmen die
Kondition. Denn der Auftrieb des Wassers reduziert die Schwerkraft. Das sorgt
für eine Entlastung von Gelenken, Wirbelsäule und Bändern, ideal bei
Übergewicht. Der Widerstand des Wassers verlangsamt zudem die Bewegungen. „Akute
Verletzungen und chronische Überbelastungen sind dadurch faktisch ausgeblendet“,
sagt Latsch.
Trotzdem wird die Skelettmuskulatur beim Schwimmen wirkungsvoll
und ausgewogen gekräftigt, von Kopf bis Fuß. Die strammen Bahnenaktivieren das
Herz-Kreislauf-System, verbessern Stoffwechsel und Sauerstoffversorgung. Das
bewusste Luftholen stärkt die Atemhilfsmuskulatur, der Aufenthalt im kühlen Nass
das Immunsystem.
Wie sehr der Rücken vom Schwimmen profitiert, hängt vom
bevorzugten Stil ab. „Beim Rückenschwimmen und Kraulen liegt die Wirbelsäule
gerade im Wasser. Der Auftrieb des Wassers entlastet sie, und die Muskeln rundum
werden effektiv trainiert“, so Latsch. Auch Brustschwimmen kann bei richtiger
Technik den Rücken kräftigen. „Allerdings machen viele den Fehler, mit erhobenen
Kopf zu schwimmen anstatt mit Wasseratmung. Dadurch werden Hals-, Brust- und
Lendenwirbel überbelastet. Verspannungen und Rückenschmerzen können die Folge
sein“, warnt der Sportmediziner. Ebenfalls problematisch: Die beim
Brustschwimmen typische Beinschere kann bei falscher Ausführung zu Knieschmerzen
führen.
Sanftes Nordic Walking
Wie gut Nordic Walking der
Gesundheit tut, haben Sie sicher selbst schon gespürt. Die erholsamen Runden in
der Natur trainieren sanft Herz und Kreislauf, regulieren Zucker- und
Fettstoffwechsel, stimulieren die Abwehrkräfte und bringen Fettdepots zum
Schmelzen. 400 Kalorien pro Stunde werden bei sportlichem Tempo
verbrannt.
Ein wesentlicher Pluspunkt des nordischen Gehens ist jedoch seine
schonende Gelenkbelastung, vor allem im Vergleich zum Laufen. „Beim Nordic
Walking fehlt die Flugphase. Ein Bein ist immer auf dem Boden. Dadurch müssen
die Gelenke weniger Gewicht abfedern. Das macht diesen Sport im Grunde für
jedermann geeignet“, sagt Latsch.
Gleichzeitig trainiert Nordic Walking den
Körper ausgewogener und effektiver als Joggen oder Radfahren. Dank des
Stockeinsatzes sind etwa 90 Prozent der Körpermuskulatur in Einsatz. Neben den
Beinen wird auch die obere Rumpfmuskulatur gekräftigt und verstärkt durchblutet.
Das löst Verspannungen, beugt Rückenschmerzen vor und hilft, sie zu lindern“, so
der Experte Die richtige Technik vorausgesetzt, wird der Halteapparat beim
Nordic Walken sogar mehr gekräftigt als beim Schwimmen. Zusätzlich bieten die
Stöcke mehr Sicherheit auf glattem und rutschigem Untergrund. Das schätzen
Einsteiger ebenso wie ältere Menschen.
Aus diesen Gründen hält der
Sportmediziner das flotte „Stöckeln“ für ein besonderes ideales
Gesundheitstraining: „Mit Nordic Walking lassen sich bei moderater Belastung und
äußerst geringem Verletzungsrisiko maximale Trainingseffekte erzielen, und das
für den gesamten Körper“, meint Latsch. Was ihm an diesem Sport zudem gefällt,
ist seine gesellige Note: „Viele Menschen ziehen zu zweit oder in der Gruppe
los. Das sorgt für mehr Motivation und Spaß. Jogger finden schwieriger ein
gemeinsames Tempo.“ Deshalb: Sollten Ihnen Läufer oder Radfahrer lächelnd
auf die Stöcke schielen – lächeln Sie selbstbewusst zurück! Mit Nordic Walking
halten Sie Ihren Körper und Ihre Gesundheit optimal in Schwung – sanfter und
effektiver geht es kaum.
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Aktualisiert am 07.01.2010