
Ob Rettungsringe oder „Chicken Wings“, Bierbauch oder schlaffe
Oberschenkel: Die Frühlingssonne bringt sie an den Tag. Was tun, wenn der
Spiegel zum sexy Outfit plötzlich „nein“ sagt? Nachfolgend wird erklärt, wie
Frau und Mann eine knackige Figur bekommen – von Kopf bis
Fuß.
Irgendjemand hat ihn einmal geprägt, diesen schlauen Satz: „Es
gibt’s keine Probleme, es gibt nur Herausforderungen.“ Und in gewisser Weise
stimmt er ja auch. Doch wenn dann die warme Frühlingssonne dazu einlädt, mal
wieder ein knappes Oberteil mit kurzen Ärmeln anzuziehen, eine enge Hose zu
tragen oder vielleicht Shorts – dann ist er ganz schnell vergessen, dieser Satz.
Oder würden Sie Winterspeck in der Bauchregion, Speckröllchen am BH-Rand oder
schlaffe Oberarme etwa als „Herausforderungszonen“ bezeichnen?
Sicher nicht.
Es sind Problemzonen, und sie können einem jede Frühlingslaune ganz schön
vermiesen. Denn das schickste neue Oberteil macht keinen Spaß, wenn man mit ihm
zusammen auch die neusten winterlichen Rettungsringe zur Schau stellt. Also
heißt es jetzt: so schnell wie möglich Abhilfe schaffen.
Nur wie? Gut, da ist
das Fitness-Studio. Aber bei schönstem Wetter an verschiedenen Geräten einzelne
Muskelpartien trainieren? Außerdem: Ganz allein durch Muskeltraining und
Bauch-Beine-Po-Kurse verschwinden Speckröllchen auch nicht. Die beste
Waffe gegen Fettpolster ist schließlich immer noch Ausdauersport. Also
regelmäßig joggen? Das wiederum trainiert nicht alle Muskeln, die es nötig
hätten. Und wie wäre es mit Fitness-Studio und joggen zusammen? Vie zu
zeitaufwendig. Zudem: Sie wollten ja endlich mal gemeinsam mit Ihrem Partner
sporteln. Der hat zwar andere Problemzonen als Sie, könnte die Herausforderung
aber durchaus auch mal annehmen.
Fett weg, Muskeln her
Die
Lösung heißt Nordic Walking – und zwar für Frau und Mann. Denn ganz egal, ob die
sog. „Chicken Wings“, die schlaffen Oberarme also, die eher bei Frauen
vorkommen, oder aber der männertypische „Bierbauch“ bekämpft werden sollen:
Nordic Walking schafft beides. Denn es wirkt auf unseren Körper quasi wie eine
Kombination aus Ausdauertraining und Workout im Fitnessstudio. Doppelt positiv
also.
Um eine schlanke straffe Figur zu bekommen, müssen die meisten Menschen
parallel zwei Ziele erreichen: Fett ab- und Muskeln aufbauen. Für den Fettabbau
ist Nordic Walking sehr gut geeignet, denn schließlich ist das nordische Gehen
Ausdauersport. Und nur regelmäßiges Fitnesstraining lässt auf gesunde Art und
dauerhaft Pfunde schmelzen. Eine eiserne Diät müssen Sie nicht zusätzlich
machen. Koppeln Sie Ihr Sportprogramm einfach mit einer vernünftigen leichten
Ernährung. „Wer langfristig abnehmen will, muss seinen Fettstoffwechsel
trainieren“, sagt Dr. Ronald Burger, Sportwissenschaftler und Biomechaniker an
der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz.
Nur Ausdauer
bringt`s
Empfehlenswert ist dafür ein Ausdauertraining mit niedriger
Intensität, das zumindest dreimal in der Woche stattfindet. Pro Trainingseinheit
sollten etwa 300 Kalorien verbraucht werden. Als Anhaltspunkt: Ein ca. 70
Kilogramm schwerer Nordic Walker, der sich mit einer Geschwindigkeit von etwa
sechs Kilometern pro Stunde bewegt, verbraucht in 60 Minuten rund 500
Kalorien.
“Vor allem muss man das Training jedoch über einen längeren
Zeitraum durchhalten“, so Dr. Burger. Der Grund dafür: Erst mit der Zeit baut
der Körper Muskelmasse auf. In den Muskelzellen befinden sich die Mitochondrien.
Sie sind sozusagen körpereigene Kraftwerke, in denen Energie gewonnen wird. Für
die Energiebereitstellung werden in den Mitochondrien Fettsäuren verbrannt. Das
Tolle: Bei regelmäßigem Ausdauersport vergrößern sich die Kraftwerke. Nach und
nach können sie immer mehr Fettsäuren verbrennen. Sogar in Phasen absoluter Ruhe
– selbst im Schlaf – werden verstärkt Fettsäuren umgesetzt. Medizinisch wird
dies „Erhöhung des Grundumsatzes“ genannt. Das bedeutet: Sie können mehr essen
ohne zuzunehmen. Doch auch wenn Sie gar nicht schlanker werden möchten, sondern
sich einfach nur eine straffere Figur wünschen, ist Nordic Walking perfekt. Denn
das Gehen an zwei Stöcken spricht fast 90 Prozent aller Muskeln an. Damit auch
Partien, die Sie stärken müssen, um bestimmte Problemzonen loszuwerden – und die
Sie allein durch Jogging gar nicht erreichen würden. Wer nach einem einzigen
Workout für die ganze Figur sucht, ist mit Nordic Walking daher gut bedient. Das
große Plus: Das nordische Gehen macht Frauen- und Männerkörper gleichermaßen
schön. Ziehen Sie also doch am besten gleich zu zweit los!
Kräftige
Oberarme
Schöne, kräftige Oberarme sehen bei Adam und Eva
gleichermaßen gut aus. Allerdings wünschen sich Männer meist einen starken
Bizeps. Das ist der große Muskel auf der Innenseite des Armes. Frauen hingegen
ärgern sich eher über eine schlaffe Außenseite des Oberarmes. Kein Problem:
Beiden heiklen Stellen kommen Sie mit Nordic Walking bei. Klasse für die „Herren
der Schöpfung“ ist das Vorschwingen des Armes. Es trainiert den Bizeps. Für
Frauen, deren Oberarme einen „leichten Hänger“ haben – das ist übrigens auch bei
schlanken Frauen oft der Fall -, ist eine andere NW-Phase super. Der
Stockeinsatz und das Zurückführen des Stockes bis zum Oberschenkel (Zugphase)
trainieren den Trizeps. Der absolute Bringer: die Druckphase, also die Phase, in
der der Stock nach hinten geführt wird und der Arm hinter dem Rücken in die
Streckung kommt. Ein besseres Workout für den Trizeps gibt es fast
nicht!
Tschüss, Achselfalte!
Was auch schlanke Frauen oft
stört, ist die Achselfalte, in der sich der BH-Träger oft unangenehm abzeichnet.
Hier hilfreich: Der Stockeinsatz und die Zugphase trainieren den großen
Brustmuskel. Zusammen mit einem kräftigen Bizeps und einem straffen, runden
Deltamuskel, verschwindet die Falte nach und nach. Der Deltamuskel befindet sich
an der Schulter. Er leistet beim Vorschwung des Armes die
Hauptarbeit.
Tolle Busen, stolze Brust
Was ein schöner
Busen ist, definiert jede Frau für sich selbst. Männer äußern zu diesem Thema
gern die verschiedensten Ansichten, ohne zu bemerken, dass sich an ihrem eigenen
Körper so etwas wie ein Busenansatz gebildet hat. Den wiederum finden Frauen
meist nicht so attraktiv. Für Frauen und Männer daher perfekt: Der Stockeinsatz
und die Zugphase beim Nordic Walking trainieren vor allem den großen
Brustmuskel. Das strafft die männliche Brust ebenso wie die weibliche.
Zusätzlich beansprucht der gesamte Bewegungsablauf ständig die Rücken- und
Schultermuskulatur. Dies sorgt für eine aufrechte Körperhaltung, hebt den Busen
und macht die männliche Brust kräftig.
Ein schöner
Rücken…
….. kann auch entzücken. Alter Spruch, stimmt aber. Ein toll
durchtrainierter Männerrücken sieht sexy aus. Und Frauen fühlen sich meist
wohler, wenn sie beim Rückwärtsblick in den Spiegel ein leichtes Muskelspiel,
statt eines einschneidenden BH-Trägers sehen. Für beide Geschlechter daher sehr
gut: Die Druckphase, bei der der Arm nach hinten in die Streckung kommt, spricht
den breiten Rückenmuskel an. Die Gegenrotation von Schulter- und Beckenachse
trainiert den langen Rückenstrecker. Die gesamte Rückenmuskulatur sorgt für eine
Stabilisierung des Rumpfes.
Knackiger Po
Männer haben damit
weniger zu tun als Frauen. Aber trotzdem: Für einen knackigen Po dürfen beide
etwas tun. Wie trägt Nordic Walking dazu bei, dass der Hintern stramm wird? Beim
Aufsetzen des Fußes und in der Abdruckbewegung wird speziell der große
Gesäßmuskel in Anspruch genommen. Die gesamte Phase, in der das Gewicht auf den
vorderen Fuß verlagert wird, macht den Po schön.
Gegen Bierbauch &
Co.
Wenn auch aus unterschiedlichen Grünen: Mit einem Bauchansatz
haben Frauen und Männer wohl gleichermaßen zu kämpfen. Und auch die kleinen
Speckröllchen zwischen Brust und Bauch kennen beide Geschlechter. Beim Nordic
Walking ist neben der Rücken- auch die Bauchmuskulatur ständig im Einsatz. Vor
allem bei der Gegenrotation zwischen Schulter- und Beckenachse kommen der gerade
Bauchmuskel sowie der äußere, schräge Bauchmuskel stark zum Einsatz. Das macht
die Partie um den Magen straff und lässt den Bauch schön flach und kräftig
werden.
Tolle Oberschenkel
Die Natur kann schon gemein
sein: Was Frauen gern weniger hätten, hätten Männer gern mehr – Oberschenkel.
Bei den Evas sollte die obere Partie der Beine dünner und straffer sein. Die
Herren hingegen beschweren sich nicht über mangelnde Straffheit, aber etwas mehr
Muskeln könnten nicht schaden. Na und? Beim Vorschwung des Beines wird beim
Nordic Walking der so genannte gerade Schenkelstrecker trainiert. Also der große
Muskel, der sich auf der Vorderseite der Oberschenkel befindet. Beim Aufsetzen
und Abrollen des Fußes und bei der Streckung des Beines wird dieser Muskel
ebenfalls trainiert.
Stramme Waden
Frauen hätten sie oft
gern ein bisschen geformter, Männer hätten einfach gern etwas mehr davon. Denn
wer möchte schon auf dünnen „Streichholzbeinen“ durchs Leben gehen? Was beim
Nordic Walking wirkt? Die Phase, in der der Fuß aufsetzt. Bei dieser Bewegung
wird der Schienbeinmuskel trainiert. Das macht die Vorderseite der Unterschenkel
schön. Die Abdruckbewegung des Fußes hingegen trainiert den Wadenmuskel, der
sich an der hinteren Seite des Unterschenkels befindet.
Sie sehen es:
Nordic Walking ist tatsächlich ein super Workout für alle Problemzonen. Und es
dauert gar nicht ewig, bis zu sehen ist, dass Sie mehr und straffere Muskeln
bekommen haben. Wie schnell ein Körper Muskeln aufbaut, ist individuell
verschieden. „Generell gilt, dass es bei Männern auf Grund des Hormonhaushaltes
fixer geht“, sagt Burger. Auch wer früher schon Sport getrieben hat, bildet
schneller Muskeln als ein absoluter Fitness-Anfänger. Aber nach drei Monaten
werden in der Regel auch bei Neulingen die ersten Erfolge schon
sichtbar.
Überanstrengen muss – und sollte! – sich dafür niemand. Nordic
walken Sie am besten in einer Trainingszone von 70 bis 85 Prozent der maximalen
Herzfrequenz. Das reicht völlig, um starke Muskeln zu bekommen. Dann werden die
Outfit-Probleme dieses Frühjahrs vielleicht ja doch noch zu echten
„Herausforderungen“.
Quelle: NORDIC walker 2/2006, Andrea
Martens
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Aktualisiert am 07.01.2010