Homöopathie bei Operationen regt Regulationsfähigkeit des Organismus an. Operation stellt eine Verletzung dar, die die Selbstheilungskräfte des menschlichen Körper aktiviert. Arnica, Muskeln, Haut...
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Homöopathie bei Operationen

Dr. Volker Schmiedel
Habichtswald Klinik
34131 Kassel
Telefon 0561 3108-101
E-Mail schmiedel@habichtswaldklinik-ayurveda.de

Einleitung

Homöopathie ist nicht in der Lage, medizinisch notwendige Operationen zu vermeiden. Strukturen die zerstört sind, werden nicht geheilt. Funktionen, die gestört sind, können jedoch wieder normalisiert werden. Homöopathie regt die Regulationsfähigkeit des Organismus an, stimuliert also die Selbstheilungskräfte. Genau diese benötigen wir aber, um mit Folgen von Operationen schneller fertig zu werden.


Grenzen und Möglichkeiten der Homöopathie

Immer wieder werden Fragen wie die nachfolgenden an mich herangetragen: Mein Hüftgelenk ist durch Arthrose völlig zerstört. Der Orthopäde rät zur Operation. Kann ich diese durch Homöopathie vermeiden? Oder: Meine Mutter hat eine Mitralinsuffizienz 3. Grades (hochgradige Undichtigkeit der Herzklappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer) und bekommt kaum noch Luft. Die Kardiologen sagen, ein Herzklappenersatz sei unvermeidlich. Kann hier Homöopathie noch helfen?

Hier sind der Homöopathie natürlich enge Grenzen gesetzt. Unheilbare Endzustände lassen sich auch mit der bestgewählten homöopathischen Medikation nicht wieder beheben. Homöopathie kann aber immer dort gute Dienste leisten, wo eine Heilung prinzipiell aus eigener Kraft noch möglich ist. Und der Körper sollte noch eine gewisse Regulationsfähigkeit besitzen. Er muss also so stark sein, Heilreize anzunehmen und adäquat zu verarbeiten. Das Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie besagt, dass Ähnliches durch Ähnliches geheilt werde (similia similibus curentur). Wir setzen also einen kleinen "schädlichen" Reiz, der in stärkerer Form dieselbe Krankheit hervorrufen würde, die wir eigentlich zu behandeln wünschen.



Bei Operation ist die Selbstheilung gefordert

Jede Operation stellt eine Verletzung dar, die die Selbstheilungskräfte des menschlichen Organismus aktiviert. Hier kann die Homöopathie stimulierend und regulierend ansetzen - besonders dann, wenn Komplikationen oder Beschwerden auftreten, die der Körper aus eigener Kraft doch nicht so sicher und schnell beseitigt, wie wir das von ihm erwarten. Im folgenden sollen einige der wichtigsten homöopathischen Mittel dargestellt werden, die bei Operationen eingesetzt werden können:


Arnica montana , das homöopathische Verletzungsmittel

Wenn wir in der Homöopathie mit Verletzung konfrontiert werden, denken wir in erster Linie an die Arnica, den Bergwohlverleih. Die Arnica hat einen Bezug zu Muskeln, Haut, Bindegewebe und Gefäßen. Wenn man sich nach einer Operation wie zerschlagen fühlt, wenn jede Bewegung oder Erschütterung die Schmerzen deutlich verschlimmert, dann passt die Arnica. Auch bei Blutergüssen - dann in der Urtinktur (1:10 verdünnt) oder als Arnica-Salbe - wird sie gute Dienste tun. Achtung: Bei bestehender Allergie gegen Korbblütler kann Arnica-Salbe, Tinktur oder Tiefpotenzen zu allergischen Reaktionen führen!


Arnica hat sich auch prophylaktisch vor Operationen, invasiven Eingriffen (z. B. Gelenkspiegelung) oder bei Zahnextraktionen bewährt.

Dosierung: Arnica D6 3x1 Gabe täglich (auch die einmalige Gabe einer C30 ist möglich).

Homöopathische Darreichungsformen
Darreichungsform Übliche Einzelgabe
Tablette 1 Tablette
Lösung = dilutio 5 Tropfen (3-10)
Kügelchen = globuli 5 Globuli (3-7)
Verreibung = trituratio

1 Messerspitze

Bei Tiefpotenzen (z. B. D4, D6) werden meist Tabletten oder Lösung, bei Hochpotenzen (z. B. C30, D200) werden meist Gobuli verwendet. Bei akuten Beschwerden kann auch die stündliche Einnahme einer Gabe sinnvoll sein.



China, das "erste" Mittel der Homöopathie

Ohne die Chinarinde wäre es vermutlich gar nicht zur Entwicklung der Homöopathie in Deutschland gekommen. Mit Samuel Hahnemanns berühmtem Selbstversuch mit Chinarinde begann vor mehr als zweihundert Jahren die Geschichte der Homöopathie. Wir setzen die Chinarinde homöopathisch in der Rekonvaleszens nach schweren Infektionen oder Blutverlusten ein. China passt dann besonders gut, wenn der Operierte über sehr große Schwäche und Erschöpfung klagt, wenn er dabei blass ist und über Durst und Schweiße klagt, obwohl gleichzeitig eine starke Frostigkeit vorliegt. Jegliche Kälte, Luftzug oder Nässe führen zu einer Verschlimmerung der Beschwerden. Auch Essen wird oft nicht gut vertragen. Nachts pflegen die Beschwerden stets stärker zu werden. Jegliche Wärme wird als sehr angenehm empfunden.

Dosierung: China D6 3x1 Gabe täglich



Ferrum metallicum, das homöopathische Eisen

Oftmals besteht nach einer Operation Blutarmut. Dieser Blutmangel lässt sich objektiv durch Laboruntersuchungen nachweisen. Das Hämoglobin, der eisenhaltige Blutfarbstoff, ist dann erniedrigt. In diesem Fall sind Eisengaben erforderlich - allerdings in der "Urtinktur", also als "richtiges" Eisenmedikament. Es sollten dann - je nach Verträglichkeit - 10 bis 100 mg Eisen täglich gegeben werden. Zum Vergleich: Wir müssten täglich 40.000 (!) Tabletten Ferrum D6 einnehmen, um auf 10 mg reine Eisenzufuhr zu kommen. Eine materielle ausreichende Substitution eines Mangels ist mit Homöopathie nicht möglich, auch wenn dies immer wieder behauptet und leider auch versucht wird.

Mit Homöopathie setzen wir vielmehr kleine, feinstoffliche Impulse, die den Körper anregen sollen. Es wäre also denkbar, dass durch eine "homöopathische Substitution" der Körper angeregt wird, vermehrt Eisen aufzunehmen - es muss ihm aber auch in Form von Nahrung oder Medikamenten angeboten werden.

Vom homöopathischen Arzneimittelbild passt Ferrum besonders dann, wenn eine große Schwäche besteht. Der Operierte sieht erstaunlicherweise mitunter blühend aus oder Blässe und Röte des Gesichtes wechseln sich ab. Der Füße sind meist eiskalt, der ganze Körper ist aber oft auch kalt. Merkwürdigerweise verschlimmert Ruhe eher den Zustand, während mäßige Bewegung trotz der Schwäche als lindernd empfunden wird.

Dosierung: Ferrum metallicum D4 oder D6, 3x1 Gabe täglich



edum palustre bei Stichverletzungen

Ledum, der Sumpfporst, hat als bewährte Indikation die Stichverletzung. Es kann also bei Bienen- oder Wespenstichen eingesetzt werden, wenn etwa Apis (die Honigbiene) nicht passt oder nicht hilft. Ledum kann aber auch bei Beschwerden durch ärztliche Stiche, nämlich durch Injektionen helfen. Sollte also nach einer Injektion, Infusion oder diagnostischer Punktion ein starker Schmerz an der Stichstelle bestehen, sollte an Ledum gedacht werden.

Dosierung: Ledum D2, 3x1 Gabe täglich oder Ledumtinktur äußerlich mehrmals täglich auftragen



Staphisagria bei Schnittverletzungen

Wo Ledum bei Stichen hilft, tut dies Staphisagira, das Stephanskraut, bei Schnittverletzungen. Sollte also die Schnittwunde nach der Operation starke Beschwerden bereiten, ist an diese bewährte Indikation zu denken.

Dosierung: Staphisagria D4, 3x1 Gabe täglich

Hypericum perforatum nicht nur bei Depressionen

Hypericum, das Johanniskraut, hat homöopathisch oder phytotherapeutisch mittlerweile einen guten Ruf bei der Behandlung von Depressionen. Postoperativ ist Hypericum besonders wirksam, wenn die Nerven verletzt sind. Dies kann durch eine Durchtrennung der Nerven beim Schnitt oder auch durch Nervenquetschung bei ungünstiger Körperlage oder etwa durch Klammern bedingt sein. Bei all diesen traumatischen Nervenschäden, die dann nicht selten neuralgische Beschwerden auslösen, sollte Hypericum zur Linderung versucht werden.

Dosierung: Hypericum D3, 3x1 Gabe täglich oder Hypericum-Tinktur oder Johanniskrautöl äußerlich


Sepsis, die gefürchtete Komplikation nach Operationen

Trotz aller hygienischer Schutzmaßnahmen im Krankenhaus kommt es mitunter nach einer Operation zur Sepsis, der Blutvergiftung. Dies ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der rasches und entschlossenen Handeln erfordert. Kein Krankenhausarzt wird es wagen, hier ohne Antibiotika auszukommen. Unterstützend können wir aber durchaus die Homöopathie einsetzen. Eine Kombination aus Echinacea, dem abwehrstärkenden Sonnenhut, Lachesis, einem Schlangengift, und Pyrogenium, einem Extrakt aus faulendem Fleisch, hat sich hier bewährt.

Dosierung: Echinacea D4, Lachesis D12 und Pyrogenium D30, jeweils eine Gabe alle vier Stunden an den ersten beiden Tagen, dann noch einige Tage lang dreimal täglich. Wenn möglich, sollten diese drei Mittel als Mischampulle intravenös gespritzt werden (dies wird im Krankenhaus bei eher "homöpathiefeindlichen" Schulmedizinern aber selten der Fall sein).

Nux vomica nach Narkose

Viele Patienten klagen nach einer Narkose über Brechreiz. Homöopathisch kann hier Nux vomica, die Brechnuss, helfen. Insbesondere, wenn neben der Narkose nach der Übelkeit noch starke Müdigkeit und Kopfschmerzen sowie eine Neigung zu Krämpfen bestehen, kann dieses große homöopathische Mittel gute Dienste leisten. Andere Mittel, die nach einer Narkose oft in Frage kommen, sind Belladonna, Chamomilla, Coffea oder Lachesis, wenn das entsprechende Arzneimittelbild sich mit dem aktuellen Symptomenbild in Einklang bringen lässt.

Dosierung: Nux vomica D6, 3x1 Gabe täglich


Symphytum stärkt den Knochen

Nach jedem Knochenbruch - auch wenn eine operative Versorgung beispielsweise mit Metallplatte oder -nagel erfolgte - muss der Organismus das Zusammenwachsen der Frakturenden aus eigener Kraft bewerkstelligen. Wenn dieses Zusammenwachsen gestört ist, eine schlechte Kallusbildung vorliegt, dann ist Symphytum, der Beinwell, das homöopathische Mittel der Wahl.

Dosierung: Symphytum D3, 3x1 Gabe täglich oder Symphytum ad usum externum-Tinktur 1:10 verdünnt für Umschläge


Konstitutionsbehandlung verhilft dem Körper zu einem inneren Gleichgewicht

Jede Operation bedeutet für den Körper einen Reiz dar, der das vegetative Gleichgewicht zu stören vermag. Heutzutage sind aber auch ohne Operation viele Menschen weit von einer solchen inneren Ausgeglichenheit entfernt. Ein schwerer Eingriff vermag den gestörten Zustand noch weiter zu verschlimmern und so den Heilungsprozess zu verzögern oder Komplikationen zu begünstigen.

Eine konstitutionelle homöopathische Behandlung, bei der versucht wird, das gerade passende Mittel zu finden, vermag daher den Organismus zu stärken und gegen Störungen, wie sie eine Operation nun einmal darstellt, zu wappnen. Eine solche konstitutionelle Therapie, bei der meist Hochpotenzen eingesetzt werden, sollte aber nicht als Selbstbehandlung, sondern nur von erfahrenen Homöopathen durchgeführt werden. Das falsche Mittel - zumal in einer Hochpotenz - oder zum falschen Zeitpunkt verabreicht kann auch einmal (vorübergehende) Schäden anrichten, die die geplante Operation dann nicht einfacher verlaufen lassen, sondern sogar komplizieren können. Mit den oben angegebenen Mittel in tiefen Potenzen brauchen Sie diese Sorgen nicht zu haben. Bei Bestehen der Beschwerden oder sogar Verschlimmerung unter der Behandlung sollten Sie das Mittel jedoch absetzen und ärztliche Hilfe suchen.

Nach einer Operation - gerade wenn es sich um einen größeren, belastenden Eingriff handelt - ist nicht selten eine stationäre Rehabilitation angezeigt. Naturheilkundlich orientierte Patienten sollten sich rechtzeitig um einen Platz in einer ganzheitlichen Klinik kümmern, damit durch eine Kombination aus notwendigen schulmedizinischen und sinnvollen naturheilkundlichen Maßnahmen der bestmögliche Langzeiterfolg für den Operierten erzielt werden kann.

 

Nährstoffe bei Operationen
Ganzheitliche Therapie bedeutet unter anderem auch, verschiedene Naturheilverfahren sinnvoll miteinander zu ergänzen. Im Zusammenhang mit Operationen empfehle ich meinen Patienten praktisch immer die Einnahme von Vitamin C und Zink:
Ohne Vitamin C können wir keine bindegewebigen Strukturen aufbauen. Der bei Skorbut beobachtete Zahnausfall beruht auf einer ungenügenden Bildung der wichtigen Bindegewebsfasern. Bei Stress ist der Vitamin C-Bedarf um ein Mehrfaches erhöht. Jede Operation stellt einen solchen Stress dar. Einige Tage vor und nach einer Operation sollte der Patient mindestens 3x1 g (etwa jeweils 1/4 TL) Vitamin C einnehmen.
Zink ist unser wichtigster Mineralstoff bei der Wundheilung. Bei jeder Wundheilungsstörung, aber auch bei jeder Operation halte ich die Zufuhr von 20 bis 50 mg Zink täglich für sinnvoll.
Zur Vorbeugung von Keloiden, den unschönen Wulstnarben, soll Vitamin E hilfreich sein. Ich empfehle jedem Patienten, der sich vor Keloiden schützen möchte, die (nicht mehr nässende) Wunde täglich vorsichtig mit Vitamin E-Hautöl zu massieren. Leichte massierende Bewegungen in Längs- und Querrichtung zur Narbe beugen außerdem Verklebungen vor. Achtung: Die Massage sollte als angenehm empfunden werden und nicht so stark sein, dass sie schmerzt!

 

Weiterführende Literatur:
  • Schmiedel/Augustin: Handbuch Naturheilkunde, Kap. Homöopathie
  • Schmiedel, V.: Pro und contra Homöopathie (Naturarzt 2/99)
  • Schmiedel, V.: Mit Homöopathie ganzheitlich behandeln, (Naturarzt 3/99)
  • Schmiedel, V.: Mit Ähnlichem heilen, (Naturarzt 4/99)

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck.
www.naturarzt-access.de

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