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Wenn der Darm kneift ...

Diagnostik und Therapie des Reizdarmsyndroms

Dr. med. Volker Schmiedel,
Chefarzt der Inneren Abteilung, Habichtswald-Klinik, 34131 Kassel

Was ist ein Reizdarm?

Viele leiden darunter, wenige werden ernst genommen. Selten bei Freunden und noch seltener bei Ärzten finden Betroffene Verständnis oder gar Hilfe. Was ist zu tun?

Zunächst einmal gilt es genau zu definieren, was ein "Reizdarm" überhaupt ist. Die Diagnose wird möglicherweise zu häufig gestellt, ohne andere Ursachen ausgeschlossen zu haben. Das Reizdarmsyndrom ist gekennzeichnet durch über lange Zeit (Wochen bis Jahre) immer wiederkehrende Bauchbeschwerden mit Schmerzen, Veränderung des Stuhlverhaltens und der Stuhlbeschaffenheit. Wichtig ist jedoch, dass organische Veränderungen oder biochemische Störungen ausgeschlossen werden - dann und nur dann liegt ein Reizdarm vor.

Wie wird der Reizdarm noch genannt?
  • Colon irritabile
  • spastisches Colon
  • Colica mucosa
  • funktionelle Darmbeschwerden


Beschwerdefreie Phasen wechseln sich mit Bauchschmerzen unterschiedlicher Stärke und Lokalisation ab. Die Betroffenen sind meist von heftigen Blähungen geplagt. Der Stuhlgang kann zur Verstopfung neigen, mitunter kommen aber auch Durchfälle vor, nicht selten beides im Wechsel. Der Stuhl weist nicht selten Schleimbeimengungen auf. Nach dem Stuhlgang kann der Betroffene sich erleichtert fühlen oder auch das Gefühl haben, sich nicht völlig entleert zu haben. Die Bauchschmerzen sind oft krampfartig und werden durch Wärme meist gebessert.

Symptome des Reizdarms
  • Bauchschmerzen, meist krampfartig, oft vor oder während des Stuhlgangs
  • wässrig-breiiger oder zu harter Stuhl
  • nicht selten Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall
  • mitunter Schleimauflagerung auf dem Stuhl
  • Gefühl der inkompletten Entleerung
  • Blähungen mit aufgetriebenem Leib
  • Wärme bessert meist, Aufregungen verschlechtern hingegen
Wie wird der Reizdarm diagnostiziert?

Eigentlich gar nicht. Vielmehr wird diese Diagnose gestellt, wenn keine andere übrig bleibt. In der konventionellen Diagnostik werden meist Darmspiegelungen und Ultraschalluntersuchungen des Bauches, manchmal auch Magenspiegelungen durchgeführt, um organische Störungen (z. B. ein Geschwür oder eine Geschwulst) auszuschließen. Blut- und Stuhluntersuchungen (meist aber nur auf verstecktes Blut) komplettieren die Diagnostik.

Kommt es damit zu keinem Befund, welcher die Beschwerden erklärt (und das ist oft genug der Fall), wird die Diagnose "Reizdarmsyndrom" gestellt. Als Empfehlungen werden meist psychotherapeutische Gespräche bzw. beruhigend oder antidepressiv wirkende Medikamente verschrieben. Bevor die Patienten in die "Psycho-Schublade" gesteckt werden, sollten jedoch einige andere Störungen ausgeschlossen werden, die Symptome eines Reizdarms vortäuschen können (siehe Kasten).

Erkrankungen, die einen Reizdarm vortäuschen können
  • Nahrungsmittelallergien
  • mangelnde Enzymproduktion der Bauchspeicheldrüse
  • Gallensäureverlustsyndrom
  • entzündliche Darmerkrankungen
  • Milch- oder Fruchtzuckerunverträglichkeit
  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)


Diese Erkrankungen sollten mit subtilen Stuhl- bzw. Blutuntersuchungen ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose "Reizdarm" gestellt wird. Viele vermeintliche "Reizdärme" haben eine solche, rein organische Ursache. Besteht aber tatsächlich ein Reizdarmsyndrom, so gibt es eine ganze Reihe von naturheilkundlichen Behandlungsmaßnahmen, die lindernd wirken bzw. sogar die Ursache der Störung angehen.

Der Reizdarm - unangenehm, aber ungefährlich

Der Reizdarm ist also keine organische, sondern eine so genannte funktionelle Erkrankung. Das Organ ist strukturell in Ordnung (deshalb bringt eine Darmspiegelung, die von Ärzten gern bei Verdacht auf Reizdarm durchgeführt wird, keinen verwertbaren Befund). Der Darm funktioniert aber nicht so, wie er sollte. Er ist mitunter zu träge, mitunter aber auch zu aktiv, verkrampft sich also, neigt zur Spastik. Dies kann sowohl zur Verstopfung als auch zum Durchfall führen. Die Spastiken, also die Krämpfe der Darmmuskulatur, sind mit starken Schmerzen verbunden, die in der Regel gut auf Wärme ansprechen. Untersuchungen haben ergeben, dass Reizdarmpatienten auf die gleiche Luftmenge im Darm wesentlich empfindlicher als Gesunde reagieren. Ebenso führen Stress oder ungelöste Konflikte zu mehr Beschwerden im Bauchbereich als bei Nichtbetroffenen.

Dies bedeutet aber keineswegs, dass Patienten mit einem Reizdarm simulieren oder sich die Beschwerden nur einbilden. Der Darm ist vielmehr für diese Menschen ein besonders sensibles Messinstrument für Störungen, die bewusst oft gar nicht wahrgenommen werden.

Der Reizdarm - schwer zu behandeln, aber nicht unheilbar

Die wichtigste - und zugleich schwierigste - Maßnahme: Machen Sie sich bewusst, welche äußeren oder inneren Anlässe Ihren Darm jetzt gerade wieder in Aufruhr versetzen. Sorgen Sie für psychische Stabilität. Es gilt nicht, jeden Konflikt zu vermeiden, allem aus dem Wege zu gehen, sondern den Umgang mit Konflikten und die Einstellung zu Problemen zu verändern. Merksatz: Wenn ich ein Problem nicht lösen kann, so muss ich meine Einstellung zu diesem Problem ändern.

Therapien, die helfen
  • Entspannung
  • Wärme
  • Richtige Ernährung, gutes Kauen
  • Heilpflanzen (Johanniskraut)
  • Homöopathie, Massage, Akupunktur


Alle Entspannungsmaßnahmen (z. B. Autogenes Training, Yoga, Muskelentspannung) können zur Linderung von Anspannung und damit auch zur Verbesserung der Darmsymptome beitragen. Mitunter kann aber sogar eine Psychotherapie erforderlich werden.

Wärme wird fast immer als sehr angenehm empfunden. Diese kann durch Trinken eines warmen Kräutertees, ein Melissenbad, Sauna oder einen feuchtwarmen Bauchwickel zugeführt werden - um nur einige Beispiel zu nennen.

Von seiten der Ernährung ist es oft hilfreich, mehrere kleine Mahlzeiten zuzuführen. Die Nahrung sollte ballaststoffreich sein, große Mengen an Rohkost (z. B. rohes Obst, Salate, Frischkornbrei) werden meist nicht gut vertragen. Dünsten Sie das Gemüse lieber schonend oder braten Sie es kurz an, nehmen Sie zum Frühstück einen warmen Brei. Leinsamen (3x1 EL) oder Flohsamen (3x1 TL) mit viel Flüssigkeit regulieren den Darm sowohl bei Neigung zu Verstopfung als auch bei zu dünnen Stühlen. Ganz wichtig: bewusst essen, gut kauen! Speicheln Sie die Nahrung gut ein, kauen Sie jeden Bissen mindestens 15x bis Sie ihn hinunterschlucken.

Auch die Pflanzenheilkunde hält viele Hilfen bereit. Wenn Sie nervös und unruhig sind, so sollten Sie es mit einem pflanzlichen Mittel versuchen, welches z. B. Baldrian, Hopfen, Melisse, Lavendel und/oder andere beruhigende Inhaltsstoffe enthält. Bei Neigung zu Depressionen wird Ihnen eher ein Medikament aus dem Johanniskraut helfen. Wichtig: Wählen Sie ein hoch dosiertes Präparat (fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker) und nehmen Sie es mindestens zwei Wochen ein, bevor Sie die Wirksamkeit beurteilen.

Darüber hinaus können Ihnen weitere Naturheilverfahren wie Homöopathie, Akupunktur/-pressur oder Fußreflexzonenmassagen unterstützend helfen. Mit Geduld und gutem Willen ist auch ein so unangenehmes Leiden wie der Reizdarm gut behandelbar.

Betrachten Sie den "bösen Reizdarm" nicht als Ihren Feind, sondern als Ihren Freund, der Ihnen etwas sagen will - und hören Sie auf ihn!

Literatur:

Schmiedel/Augustin: Handbuch Naturheilkunde, Karl F. Haug-Verlag, Heidelberg

Weitere Hinweise zu einem klinisch-stationären Aufenthalt in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik (zur Seite der Inneren). Die Durchführung der oben erwähnten subtilen Diagnostik ist auch ambulant (hier nur privat) möglich. Weitere Fragen und Kontakt: V.Schmiedel@habichtswaldklinik-ayurveda.de

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Dr. Volker Schmiedel

Habichtswald Klinik

Wigandstr. 1, 34131 Kassel

Telefon  0561 3108-101

E-Mail schmiedel@habichtswaldklinik.de

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